Mythos oder wahr: Schadet kabelloses Laden deinem Handyakku?
11.08.2021
4 Minuten
Zuletzt aktualisiert am 05.08.2026
Einst nur zum Telefonieren gedacht, benutzen wir Smartphones heute für nahezu alles: zum Bezahlen, Streamen, Daddeln, Shoppen und Co. Da ist ein verlässlicher Akku Pflicht. Seit einigen Jahren lässt sich dieser sogar kabellos aufladen, doch ranken sich Mythen um die „neue“ Technologie: Reduziert induktives Laden langfristig die Akkuleistung? Wir sind dem Mythos für dich auf den Grund gegangen!
Das Wichtigste in Kürze
- Kabelgebundenes und induktives Laden nutzen ähnliche Akkutechnologien, unterscheiden sich aber bei der Art der Energieübertragung
- Induktives Laden punktet vor allem mit Komfort, benötigt aber mehr Zeit als das Laden per Kabel
- Beim kabellosen Laden entsteht mehr Wärme, was Akku und Smartphone langfristig belasten kann
- Studien zufolge haben induktiv geladene Smartphone-Akkus eine kürzere Lebensdauer als kabelgeladene Akkus
- Häufige Ladezyklen und die zusätzliche Wärmeentwicklung gelten als die größten Nachteile des Wireless Chargings
Kabelgebundenes Laden vs. induktives Laden
Um herauszufinden ob eine Lademethode besser ist als die andere, müssen wir zunächst verstehen, wie sich das induktive vom herkömmlichen Laden unterscheidet. Beim kabelgebundenen Ladevorgang lädt der Strom einer externen Quelle (Steckdose, Powerbank, Laptop etc.) die negativen Lithiumionen im Akku positiv auf und ordnet sie neu an. Das sorgt für einen Spannungsunterschied, der sich in Form nutzbarer Energie äußert. Ist das Handy in Gebrauch, entladen sich die positiven Ionen wieder, es kommt zu einem Spannungsausgleich. Beim induktiven Laden ist das ganz ähnlich, auch hier werden Ionen umgepolt und neu angeordnet. Doch kommt die Energie hierfür nicht direkt aus der Dose, sondern wird mittels zweier Magnetspulen erst im Smartphone erzeugt – eine Spule befindet sich in der Ladestation, eine weitere ist im Handy verbaut. Der große Unterschied besteht also darin, ob der Strom direkt in den Akku fließt oder erst im Smartphone erzeugt wird. Die Akkus selbst sind nahezu identisch.
Der Trend weg vom Kabel, hin zum Ranhalten
Ob beim Musikhören, Teilen von Medien oder eben dem Aufladen von Smartphone, Tablet und Co.: Kontaktlose Mechaniken sind beliebt wie nie zuvor.
Das zeigt sich auch beim Aufbau neuester Smartphones: Audioeingang und Stromanschluss werden mittlerweile häufig zusammengelegt. Waren es früher noch mindestens zwei Anschlüsse je Handy, ist es heute oft nur noch einer – prominentes Beispiel dafür ist das iPhone. Der Grund dahinter ist denkbar einfach: Die meisten Kopfhörer sind mittlerweile Bluetooth-fähig und verzichten ebenfalls auf ein Kabel. Und gleichzeitig kabelgebunden Musik hören, während das Smartphone lädt, ist eher die Seltenheit. Das gefällt nicht jedem: Viele User wünschen sich sehnlichst den zweiten Anschluss zurück, zumal manche Einsatzmöglichkeiten oft einen zusätzlichen Adapter erfordern.
Neben den Vorzügen der kabellosen Technologie gibt es also auch einige Kompromisse, die mit ihr einhergehen. Ob die jeweiligen Vor- bzw. Nachteile für dich relevant sind, kannst nur du entscheiden. Um dir bei der Entscheidung zu helfen, findest du im Folgenden eine kleine Aufreihung der jeweiligen Vor- und Nachteile:
Das passende Smartphone, die richtige Ladestation – alles, was du zum Wireless Charging wissen musst, erklären wir dir hier.
Vor- und Nachteile von kabelgebundenem Laden
+ Schnelles Laden: Das Laden via Kabel ist immer noch mit Abstand die schnellste Möglichkeit, dein Smartphone mit neuer Energie zu versorgen. Es funktioniert schätzungsweise doppelt so schnell wie beim induktiven Laden.
+ Geringe Wärmeentwicklung: Dass beim Ladevorgang Wärme entsteht, ist vollkommen normal. Fließt der Strom via Kabel direkt in das Smartphone, beschränkt sich die Wärmeentwicklung auf ein ungefährliches Minimum.
+ Günstige Ladekabel: Das passende Ladekabel gibt es für gewöhnlich beim Kauf eines Handys dazu. Muss einmal ein neues her, sind die Kosten dafür überschaubar.
– Kabelbruch/Kabelsalat: Das regelmäßige Hantieren mit dem Ladekabel begünstigt dessen Verschleiß. Langfristig droht das Kabel zu brechen oder sich zu verknoten.
– Exklusive Anschlüsse: Je nach Hersteller und Alter des Geräts unterscheiden sich die Stromanschlüsse der Smartphones
Vor- und Nachteile von induktivem Laden
+ Bequemlichkeit: Um Handy, Tablet und Co. induktiv zu laden, muss das Gerät lediglich auf die Ladeeinheit gelegt werden. Kniffliges Ein- und Ausstöpseln des Kabels entfällt.
+ Ästhetik: Die reduzierten Anschlüsse und Kabel sorgen für einen modernen, aufgeräumten Look und verhindern einen unschönen Kabelsalat.
+ Vielseitige Lademöglichkeiten: Neben Ladematten, -stationen und -pads lassen sich auch Lampen und Möbel zum induktiven Laden benutzen.
+ Stromsharing: Induktives Laden ermöglicht das Teilen von Strom zwischen ausgewählten Geräten. Dadurch wird das Handy zur Powerbank.
– Langsames Laden: Selbst die fortschrittlichsten Modelle hängen der Ladung mit Kabel noch weit hinterher. Gerade einmal 50 % Geschwindigkeit werden erreicht.
– Hohe Wärmeentwicklung: Das Erzeugen von Strom durch eine Magnetspule erzeugt nicht nur nutzbare Energie im Handy, sondern auch viel Wärme. Langfristig kann eine zu hohe Wärmebelastung dem Akku und anderen Teilen des Handys schaden.
– Erschwerte Handhabung während des Ladens: Da das Gerät beim induktiven Laden kontaktlos mit der Ladeeinheit verbunden sein muss, kann das Handy nicht flexibel genutzt werden, während es lädt.
Smartphones mit Wireless Charging
Schadet kabelloses Laden dem Akku?
Studien haben gezeigt: Akkus von Smartphones, die induktiv aufgeladen werden, haben eine kürzere Lebensdauer als ihre kabelgeladenen Äquivalente. Der Grund dafür liegt zum einen in der Doppelbelastung des Akkus beim Ladevorgang. Während die herkömmliche Lademethode mit Kabel den Akku ausschließlich auflädt, wird die Speicherzelle beim Wireless Charging zeitgleich auf- und entladen. Es fehlt die direkte Verbindung zu einer Stromquelle, das Handy kann nur auf die Energie aus dem Akku zugreifen. Nun könnte man das Handy immer im Offline-Modus laden, um dieser Doppelbelastung zu entgehen – doch schadet induktives Laden dem Handyakku auch an anderer Stelle: Induktive Ladestationen starten den Ladevorgang immer dann, wenn die Akkukapazität auf unter 100 % fällt. Dieser dauerhafte Neustart des Ladevorgangs ist Gift für dein Handy. Ebenfalls schädlich für das Handy: zu viel Wärme. Und davon erzeugen die verbauten Magnetspulen im Vergleich zur herkömmlichen Ladung nicht gerade wenig. Das kann auf Dauer den Überhitzungsschutz im Handy auslösen und den Ladevorgang stoppen. Die Konsequenz ist nicht nur ein ungeladener Akku, auch die Technik im Inneren des Handys ist der langfristigen Wärmebelastung nicht wohlgesonnen.